Zeitlehren
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Wir freuen uns, dass die Stiftung Zeitlehren folgende Publikationen mit einem Druckkostenzuschuss unterstützen konnte:

 

Geförderte Publikationen

 

Strnad, Maximilian, "Privileg Mischehe? Handlungsräume "jüdisch versippter" Familien 1933-1949"

Wallstein Verlag 2021

 

 

Über 11.000 deutsche Juden überlebten den Holocaust, weil sie mit einem nichtjüdischen Partner verheiratet waren. Auf Grund ihrer familialen Verbindung zur "Volksgemeinschaft" nahm das NS-Regime sie von zentralen Verfolgungsmaßnahmen, Deportation und Vernichtung aus. Im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten galten sie daher als "privilegiert". Dennoch war die Mischehe keine Garantie für ein Überleben. Vor allem lokale Behörden gingen immer radikaler gegen die Mischehen vor. Viele Betroffene verloren dadurch nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern oft auch Freiheit und Leben.

Im Zentrum von Maximilian Strnads Studie stehen die Handlungsräume der verschiedenen Familienmitglieder. Der Autor zeigt, wie unterschiedlich sich die Verfolgung in den Familien jüdischer Männer und Frauen auswirkte. Deutlich werden die gravierenden Konsequenzen für die Ehepartner und Kinder. Dennoch verfügten sie über Handlungsspielräume, die sie zu Gunsten der Familie einsetzten. Strnad weitet den Blick auch auf die Zeit nach 1945. Er beschreibt die Ernüchterung der Überlebenden, die das Stigma der "Privilegierung" nicht ablegen konnten und die deshalb kaum Anerkennung und Unterstützung fanden.

(Text: Wallstein Verlag)

 

Burkhardt, Hannes, "Geschichte in den Social Media. Nationalsozialismus und Holocaust in Erinnerungskulturen auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram"

Vandenhoeck & Ruprecht Verlage 2021

 

 

Im Zentrum der Untersuchung steht die analytische Beschreibung konkreter Erinnerungskulturen in den Social Media (Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest) zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust. Hannes Burkhardt beschreibt zum einen Erinnerungsdiskurse, die seit 1945 innerhalb wirkungsmächtiger und populärer Erinnerungskulturen spezifische Narrative ausbilden und sich nun in medienspezifisch-transformierter Form in konkreten Narrationen in den Sozialen Medien manifestieren. Zum anderen analysiert die Studie die Konstituierungen von Narrationan über den Nationalsozialismus und den Holocaust in den Social Media nicht nur als diskursive Formationen, sondern auch als kommunikative Erinnerungsprozesse in den spezifischen Materialitäten der digitalen Erinnerungsmedien.

 

 

(Text: Vandenhoeck & Ruprecht Verlage)

 

Leonhard Birnbacher, "Arbeit an der Erfahrung. Zum deutschen Weg aus der kriegsgesellschaftlichen Moderne 1943-1949" 

Verlag Velbrück Wissenschaft 2020

 

 

Anders als in Frankreich oder England, wo der Erste Weltkrieg die entscheidende Zäsur für die zivilgesell-schaftliche Transformation darstellt, ist es in Deutsch-land der Zweite Weltkrieg, der zu einem grundlegenden Struktur- und Mentalitätswandel führt. Erst an seinem Ende bricht die deutsche Gesellschaft mit den Mobilisie-rungssystemen des Heroismus und Bellizismus und durch seinen Ausgang beginnt erst die deutsche Gesellschaft, jenes Selbstverständnis zu entwickeln, das uneingeschränkt auf Zivilität, Integration und Koopera-tion ausgerichtet ist. Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert, wie es der von Kriegs- und Gewalter-fahrung geprägten deutschen Gesellschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt, diese Erfahrung zu verarbeiten. Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist kein statisch fixierter Wendepunkt in der Geschichte des modernen Deutschlands, sondern eine eigenständige Übergangsphase, in der die deutsche Gesellschaft sich sukzessiv von den Erfahrungen des Krieges löst und ihr ziviles Selbstverständnis zu entwickeln beginnt.

Methodisch-konzeptionell operiert die Untersuchung mit einem erweiterten Erfahrungsverständnis, das darin nicht nur das Abbild subjektiver Wirklichkeit sieht, sondern Erfahrung als eine Wissenskategorie behandelt, die sich in Abhängigkeit zu ihrer soziokulturellen Umgebung auch ändern oder anpassen kann. Mit diesem erfahrungstheoretischen Zugriff gelingt es dem Autor aufzuzeigen, dass die Kriegs- und Gewalterfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg weniger verdrängt als vielmehr diskursiv neu gerahmt und auf diesem Weg bewältigt wurden. Das für die kriegsgesellschaftliche Moderne charakteristische Bild von der sakrifiziellen Aufopferung verschwindet hierbei, während sich ein viktimes Sinnsystem zu entwickeln beginnt. Letzteres ermöglicht die narrative Bewältigung der Kriegsgewalt, entzieht dem Krieg aber ebenso die kulturelle Grundlage.

 

(Text: Velbrück Wissenschaft)

 

Die Stiftung

Die Stiftung Zeitlehren möchte durch die Förderung von wissenschaftlichen Projekten verschiedener Fachbereiche sowie von Bildungsinitiativen einen Beitrag zum Austausch über Fragen der Entstehung und Ausprägungen antidemokratischer und menschenverachtender Ideologien leisten. Neben einem Bewusststein für die Wurzeln und Auswirkungen insbesondere des deutschen Nationalsozialismus im 20. Jahrhundert soll dabei auch unser heutiges Verständnis von Demokratie, Gleichberechtigung und kultureller Teilhabe in den Fokus gerückt werden. Die Stiftung Zeitlehren verfolgt diese Ziele durch eigene Fördermaßnahmen und durch die Unterstützung von Nachwuchswissenschaftler*innen, deren Projekte sich mit Aufklärung und Erinnern befassen und/oder von Engagement für die mündige Gestaltung der gegenwärtigen Gesellschaft und die Zukunft der Demokratie getragen sind.

 

Kooperationen und Spenden

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